Herzlich Willkommen und Vorhang auf zum Themenblock II.
Und wiederum willkommen zu einer neuen Episode von „Ich habe keine Zeit und alles bleibt auf der Strecke“. Das kennen wir ja schon. Passend fand ich dazu im übrigen den Beitrag hier bzw. das verlinkte Video. Kommt mir da bekannt vor.

Wie dem auch sei. Neuer Themenblock, neues Glück. Bei dem Thema musste ich nochmal kurz in die Beschreibung bzw den Titel des Seminars gucken. Es heißt tatsächlich „Lernen 2.0 – Persönliches Lern- und Wissensmanagement mit Social Media“. Also doch nicht „Lernen 2.0 – Bloggen, Twittern und hoffen, dass das für den Schein reicht“. Hmm kam mir zwischenzeitlich zwar so vor, aber macht ja auch nix (nicht dass Bloggen und Twittern nicht auch unterhaltsame Seiten hätte…). (Evtl. noch eine Gefahr für E-Learning: Es existiert eine Gewisse Unschärfe zwischen dem, was wirklich das Seminar betrifft und dem was nur Spielerei ist.)

Also Wissensmanagement. Was heißt das eigentlich, „Wissensmanagement“? Ich versuche erst mal, mir unter dem Begriff etwas vorzustellen so ganz ohne (zu viel) auf Wikipedia zu gucken und diverse Texte zu lesen. Hirn selber anstrengen soll ja auch schon mal sein. Wissensmanagement setzt sich dementsprechend aus zwei Wörtern zusammen:

  • Wissen: Wissen ist… ein Kaff in der Nähe von Betzdorf an der Grenze zum Siegerland mit einem schönen Garten (Das kann nicht gemeint sein…).
    Wissen bezeichnet zudem noch das, was ich weiß (oh Wunder). Aber ist Wissen nur das, was ich irgendwann mal in meinem Leben gelernt (und nicht wieder vergessen habe), oder ist es doch mehr als die Summe des Gelernten? Irgendwie versteht man unter Wissen auch Erfahrungen und Verknüpfungen von Gelerntem, oder? Auch „weiß“ man ab und an Dinge, die nicht zu beweisen sind – sehr persönliches Wissen halt, was eher emotionales oder instinktives Wissen ist.
    Hmm schon hier wird deutlich, dass es irgendwie gar nicht so leicht ist, „Wissen“ zu definieren oder gar greifbar zu machen. Jeder benutzt den Begriff, aber ist jedem immer klar, was er bedeutet?
  • Management: Das sind meistens die Leute, die in einer Firma ganz oben stehen, diverse Gelder veruntreuen, den Karren vor die Wand fahren und hinterher genug Geld bekommen, damit sie ja gehen. Ein Top-Manager ist dann halt eben besonders gut in diesen Dingen… Aber auch hier sagt mir mein Gefühl, dass meine erste Assoziation nicht das ist, wonach gesucht wird.
    Also gehen wir mal back to the roots, also zu den Römern. Und die Römer haben eine wunderschöne Sprache benutzt, die heute zwar nur die wenigsten sprechen, aber auf die sich ziemlich viele europäische Sprachen zurückführen lassen (beim Siegerländer Platt ist mir das allerdings noch nicht geglückt). Zum Beispiel auch die Englische, aus dem ja das Wort Management stammt. Gehen wir also ins Lateinische, so finden wir  im Vokabelheft der Ianua Nova, ungefähr Lektion 7 das Wort „manus“, was ja offensichtlich eine gewisse Verwandschaft zu Management aufweist und Hand bedeutet. Tun wir noch das Wort „agere“ (=handeln, betreiben) hinzu, bekommen wir für Management so etwas wie Handhandel (hört sich doof an) oder vielleicht Handhabung.
  • Führen wir das also zusammen bekommen wir mit dem Begriff Wissensmanagement die Handhabung von Wissen heraus, am besten wahrscheinlich des eigenen Wissens (ok, das hätten wir auch viel schneller haben können aber… irgendwie macht es ja Spaß).

Ok, wie handhabe ich denn nun mein Wissen? Wie verwalte ich mein Wissen? Tue ich das überhaupt? Geht das überhaupt? Umfassend sicher nicht.

Da mein Wissen natürlich schier unbegrenzt ist, ist es sinnvoll sich nur mal auf den Uni-Kontext zu konzentrieren.Wie sieht’s da aus? Bitter, würde ich sagen. Vor allem in Seminaren, wo es hauptsächlich auf eine Klausur ankommt (Stichwort: Bulemie-Lernen, Schein-Jagd…siehe Link oben) ist das Wissen nach dem Semester schon fast 100%ig wieder passé. Mal abgesehen von dieser Debatte, welche Methoden oder „Tools“ habe ich, um mein Wissen zu speichern? Ich habe natürlich das Schriftliche, Handfeste. Mitschriften, Ausarbeitungen, Bücher, Notizen, …. Ich habe Software und digitale Dateien (PDFs, PPPs, .docs, .jpgs und so weiter) , die sogar recht gut geordnet auf meinem Rechner verharren – wartend darauf nochmal irgendwann aktiviert zu werden. Online gibt es die offiziellen Uni-Klamotten (moodle insbesondere), die sozialen Netzwerke, die Wissensaustausch ermöglichen und Wissensquellen (wobei davon natürlich vieles mit Einschränkungen zu genießen ist). Aber wirklich zum „managen“ benutze ich keines davon, zumindest nicht bewusst.

Was heißt denn jetzt Wissensmanagement im aktuellen Kontext? Dazu würde es sich wahrscheinlich doch mal lohnen, einen der vorgestellten Artikel zu lesen. Dazu benutze ich den Artikel von G. Vollmar und C. Keller (der ist der Kürzeste… In der Kürze liegt die Würze…) Also, los geht!

Klasse, bevor es überhaupt losgeht, bekomme ich eine Zusammenfassung von dem, was ich gleich lesen werde. Sehr sympatisch und äußerst nett.

Wissensmanagement1

Ziemlich gut: „…kann ein alternativer Einstieg…sein“. Keine Absolutismen, die mich zwingen wollen, dieses Konzept zu benutzen. Danke für Ihr Verständnis.

In den letzten Monaten erlebte das sogenannte Persönliche Wissensmanagement einen Boom

Hmm, ok. Bei mir nicht. Ich hab, glaube ich, noch nie wirklich von solchen Konzepten und den anderen „alten-Wein“-Konzepten gehört…

Persönliches Wissensmanagement kann für eine Organisation den (einfacheren?) Einstieg in das komplexe und schwer fassbare Thema Wissensmanagement darstellen

Hört sich gut an, da ich weder das kenne, wovon sich das PW angeblich absetzen will, noch sonst was. Einfacher wär auf jeden Fall nicht verkehrt, oder? Es soll also vermehrt um individuelles Wissensmanagement gehen anstatt um ein starres organisatorisches. Toll. Ich weiß immer noch nicht was Wissensmanagement so wirklich ist.

Ok, so langsam wird’s konkreter. Um zur Persönlichen Wissensbilanz (noch mehr Begriffe?) zu kommen schlagen die Autoren diverse Schritte vor:

  1. Reflexion und Benennung der Vision, des Ziels und der Strategien zur Erreichung der selben. Mehr steht dazu nicht. Bleibt irgendwie schwammig.
  2. Einflussfaktoren zum Erreichen der Ziele. Hier wird’s konkreter, da sich das in drei Subkategorien aufteilt:
    – Individuelles Kapital: Was bringe ich mit, damit ich meine Ziele erreichen kann?
    – Persönliche Infrastruktur: Welche Rahmenbedingungen helfen mir, welche halten mich ab mein Ziel zu erreichen? (Hierzu gehören anscheinend auch die „Tools“)
    – Beziehungen/Netzwerk: Auf welche Kontakte kann ich zugreifen, damit ich mein Ziel erreiche. Hier geht es sowohl um’s Private, als auch um soziale Netzwerke (Twitter würde ich kaum als privat betrachten. Facebook und Google schon eher… achso… nein doch nicht. NSA sei dank…)
  3. Bilanzierung: Nun geht es darum, die einzelnen Einflussfaktoren auf die Quantität, die Qualität und die Systematik zu überprüfen (wieder gut: Beispiele!).

Letzten Endes kommt es also zu einer Art Selbsteinschätzung, was ich in welcher Menge wie gut gebrauchen kann und gebrauche. Angewendet auf die allgegenwärtigen Tools (Stichwort: Persönliche Infrastruktur) wäre jetzt also die Frage zu stellen, welche Tools ich gebrauche, wie gut ich das Potential daraus ausschöpfe und ob ich erfolgreich daran arbeite, dieses Tool intensiver zu nutzen (ist das dann Systematik).

Puh. Irgendwie ist der Text anscheinend für irgendwelche Organisationen und/oder Firmen geschrieben worden. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich nicht wirklich eine Antwort auf die Frage nach dem, was  Wisensmanagement ist, gefunden habe. Zumindest nichts wirklich greifbares. Es scheint, dass es vor allem auf die Reflexion ankommt. Wie lerne ich etwas, was lerne ich? Wie strukturiere ich das? Welche Mittel gebrauche ich dazu? Um diese Fragen auch nur annähernd zufriedenstellend zu beantworten, muss man irgendwie sehr viel Zeit aufwenden. Und was hinterher dabei an Nützlichem rauskommt ist mir nicht so ganz klar geworden. Eine Stärken-Schwächen-Bilanz ist mit Sicherheit sinnvoll, aber allein mit den oben genannten Schritten ist das ja anscheinend nur in der Arbeitswelt oä zu erreichen.

Ich frage mich, was das letztendlich mit der Schule zu tun hat. Reflexion ist mit Sicherheit sinnvoll und wird durch alle Fächer hindurch gepredigt wie nur etwas. „Man sollte nicht nur Wissen, sondern sich mit dem Wissen auch auseinandersetzen.“ Klar. Aber geht das auch in Bezug auf die Art und Weise wie Schüler lernen? Kapieren die überhaupt, was ich als Lehrer von denen will (mal ganz abgesehen davon, dass ich das offensichtlich noch nicht mal selber gerafft habe…)?

Ich verzichte darauf, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Falls sich jemand bis hier hin durch den Schwall an Wörtern durchgekämpft hat und noch Muße hat, sich in den Kommentaren zu verewigen (NSA…), darf das gerne tun.

Hinweis: Dieser Text entstand an verschiedenen Tagen, zu verschiedenen Uhrzeiten und in verschiedenen Gemütslagen. Wer Probleme  hat, den roten Faden oder den Sinn in dem Geschriebenen zu finden, darf das darauf zurückführen. Da ich das Komfortable an Blogs (die ja als quasi Online-Tagebücher gestartet haben) ausnutzen möchte, bleibt der Artikel relativ unverändert so stehen. Njoa.

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