Zum dritten Themenblock gehe ich einfach mal eine der Aufgaben der sooc13-Webseite an. Zum einen weil ich als angehender Leerkörper die Thematik eh relevant und wichtig finde und selber auch außerhalb des sooc von der Problematik und den Chancen dieses Themas gehört bzw. gelesen und darüber nachgedacht habe, zum anderen weil ich weder Zeit noch Muße habe mich mit etwas anderem auseinanderzusetzen. Sorry 🙂

Speziell ging es in dieser Aufgabe, der 3. um ganz speziell zu sein (mein 3. Beitrag für die 3. Aufgabe im 3. Themenblock… vll. bekomme ich ja auch 3 Absätze hin und bekomme 3 Kommentare oder so?) in der es um einen Online-Artikel geht der Facebook-Freundschaftenz wischen Lehrern und Schülern Thematisiert.

Speziell lautete die Aufgabe, wie ich dazu stehe und ob sich meine Einstellung zu dieser Thematik in der letzten Zeit geändert habe. Dann mal los.

Ich bin schon öfter über dieses Thema gestolpert und finde, dass die Auseinandersetzung damit auch durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Immerhin werden wir Facebook in nächster Zukunft sicherlich nicht los und selbst wenn, dann muss davon ausgegangen werden das sich online-Kommunikation einfach auf einen anderen Kanal verschiebt und nicht einfach einbricht. Die Debatte ist für mich also nicht einfach nur eine beschränkt auf die Auswirkungen der Thematik innerhalb einer bestimmten Online-Platform (in diesem speziellen Fall eben Facebook), sondern umfasst idealerweise eine Auseinandersetzung mit der generellen Symptomatik des Problems von außerschulischem Schüler-Lehrer-Kontakt im Internet.

Der Einfachheit halber, und weil ich nciht einfach nur den Artikel erläutern oder analysieren will, gliedere ich meinen Beitrag grob in (subjektive) Pro und Kontra, wobei ich ja immernoch die Möglichkeit habe, auf den Artikel selber einzugehen.

PRO:

Erreichbarkeit. Ich finde das ist einer der Hauptpunkte die man positiv erwähnen muss. Fast alle Schüler sind heutzutage bei Facebook registriert und das macht es eben sehr einfach unverbindlich mit ihnen zu kommunizieren.  Mit dem fortschreitenden technischen Repertoire der Platform ist es ja mittlerweile auch seher einfach möglich nicht nur Einzelgespräche zu führen wie man es von Doris Kreitner im Artikel liest, sonder auch Gruppenchaträume aufzuziehen. Man kann dort sogar sehen welcher Teilnehmer der Gruppe schon die neusten Nachrichten gelesen hat und wer nicht. Auch Anlagen versenden ist mittlerweile kein Problem mehr. Alleine zur „digitalen Materialiendispensation“ ist facebook also sicher auch nicht ungeeignet. Ich würde es zu den oben genannten Zwecken idealerweise auch der Email vorziehen, da in einem Chatraum à la Facebook auch der direkte Austausch wie z.B. Fragen bei nicht-verstehen usw. möglich ist und alle Teilnehmer (also auch die, die selber nie gefragt hätten aber stillschweigend die gleichen Probleme haben) daran teilnehmen können.

Auch umgekehrt gilt das. Wie auch im Artikel genannt ist es für etliche Schüler sicher einiges einfacher im Internet mit dem Lehrer zu kommunizieren als im Klassenraum. Von privaten Nachrichten bekommen dann ja auch die restlichen Klassenkameraden nichts mit wenn sie nicht in einem Gruppenchatraum gestellt werden. Weiterhin ist der Austausch über nicht-schulische Themen auch nicht zwinged etwas schlechtes. Wer den Erzieher-Teil seines Jobs als Lehrer ernst nimmt kann auf diese Weise sicherlich noch einiges bewirken. Dies alles birgt natürlich auch Probleme, mehr dazu dann später bei Kontra.

Viel mehr fällt mir so spontan auch nicht ein, aber das ist ja auch nicht verwunderlich. Facebook ist nunmal eine Platform auf der man außer Kommunizieren nicht viel anderes macht (das ist zumindest der Kernaspekt, gibt ja auch genug arme Menschen die ihre Seelen an die ganzen Spielchen dort verkauft haben) und darum ist es nichts besonderes das Positive wie Negative aus der Kommunikationsmöglichkeit erwächst.

KONTRA:

Erreichbarkeit. Haha. Aber mal im Ernst. Das Problem kennen wir aus dem sooc ja auch schon. Zumindest für den Lehrer selber ist ja die Erreichbarkeit nochmal eine Zusatzbelastung (für die er nicht bezahlt wird). Aber das weiß man ja eigentlich auch schon wenn man sich auf so eine Sache einlässt. Fakt ist, das wo solche Kanäle existieren, sie in aller Regel auch genutzt werden. Wenn man sich dann als Lehrer nicht ein festes Zeitkontigent  zurechtlegt, in welchem man sich der online-Kommunikation „stellen“ will kann es eben schnell passieren das man vor lauter Engagement in Stress verfällt. Wenn man auch noch ungefähr 700 Schüler als „Freunde“ auf Facebook hat reicht auch schon ein Bruchteil derer um für ständig schön prall gefüllte „E-Briefkästen“ zu sorgen.

Privatsphäre ist das zweite was mir als negativer Punkt einfällt. Ich hab keine Illusionen das meine persönlichen Informationen an viel zu vielen Stellen im Internet und anderswo (NSA, PRISM etcpp.) hinterlegt sind, dennoch würde ich persönlich nicht den selben Weg wie die Lehrerin aus dem Aritkel wählen. Soweit ich meine Privatsphäre noch vor meinen Schülen privat halten kann würde ich das auch tun. Das geht ja auf verschiedene Arten, im Artikel wird erwähnt, das manche Bundesländer den Lehrkräften zwei Profile vorschreiben, sofern Facebook zur Kommunikation genutzt werden soll. Das resultiert natürlich wieder in zusätzlicher Arbeit wenn man ein privates und ein Schulprofil zu pflegen hat. Aber das lässt sich auch einfacher Bewerkstelligen. Man kann seine „Freunde“ in Facebook in Listen einteilen. Ausgesuchten Listen kann man bestimmte Inhalte vorenthalten. Wenn ich an der uni eine neue Bekanntschaft mache und die entsprechenden Leute dann kurs darauf bei Facebook als „Freunde“ aufnehme werden sie von mir in die Liste „Uni“ geschoben auf der sie von mir praktisch nichts sehen können. Reicht für Referatsvorbereitungen etc. allemal.

Persönliche Distanz wäre das nächste. Lehrer und Schüler müssen nicht „Freunde“ sein. Waren sie noch nie, werden sie auch wahrscheinlich nie werden. Nun muss man sich aber auch nicht hassen. Trotzdem ist es sehr einfach, und dies klingt auch in dem Artikel an, dass der Kontakt im Internet (grade in einer so „vertrauten“ Umgebung wie Facebook sie bietet) zur Aufhebnung von Grenzen führt. Von einem Lehrer, der suspendiert wurde, weil er mit einer Schülerin Nachrichten austauschte, die anderen unangemessen vorkamen, wird dort berichtet. In der Beziehung kann man sehr schnell in die Wurst kommen finde ich. Trotz aller Möglichkeiten lassen sich Gespräche eben nur bis zu einem gewissen Grad schriftlich führen – da bleibt auf jeden Fall einiges auf der Strecke und diese Diskrepanzen können schnell für Missverständnisse sorgen.

Wie würde ich mit Facebook zur Schüler-Lehrer-Kommunikation umgehen? Ich vermute, ich würde ein zweites „Lehrerprofil“ einrichten und mir pro Tag eine bestimmte Zeitspanne reservieren in der ich mich darum kümmern kann. Auf jeden Fall hat Facebook auch im Schulkontext eine Menge zu bieten und es ist nur logisch dies zu kapitalisieren. In das Privatleben meiner Schüler einmischen würde ich mich vorraussichtlich nicht, sofern es nicht in meinem „Hoheitsgebiet“ liegt, also in den Gruppen o.Ä. von denen ich Teil bin. Im Artikel wird von einem Lehrer geredet der einen Schüler konfrontierte weil er auf eine Party wollte aber am gleichen Tag in der Schule krank gemeldet war. Finde ich ganz richtig. Dummheit darf man schließlich nicht belohnen und selbst wenn man keinerlei Konsequenzen ziehen darf (da mich als Lehrer das Privatleben der Schüler ja wirklich nichts angeht) kann man solche Hohlfrüchte ruhigen Gewissens einfach konfrontieren, um ihnen klar zu machen, dass man Bescheid weiß und dass sie an Glaubwürdigkeit verlieren.

Wo ich persönlich Vorsicht zeigen würde wäre der Austausch über außerschulische Angelegenheiten. Der Kontakt sollte sich für mich idealerweise auf schulbezogene Kontexte beschränken. so finde ich, ist der Spielraum für Missverständnisse am geringsten und die Grenzen zwischen Schüler und Lehrer bleiben am ehesten gewahrt.

In der Theorie kann man aber viel reden, wie die Sache ganz praktisch ausfallen würde bleibt abzuwarten. Nutzen werde ich Facebook aber sehr wahrscheinlich schon. Mit Einschränkungen.

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